Trauerfeier und Trauerrede gestalten

In wenigen Tagen ist die Trauerfeier, und irgendjemand erwartet jetzt Entscheidungen von Ihnen: welche Musik gespielt wird, wer spricht, was in der Trauerrede vorkommen soll und was besser nicht. Sie sollen einen Abschied gestalten, während Sie selbst kaum wissen, wie Sie durch den nächsten Vormittag kommen.

Fast niemand kann das. Die meisten Menschen, die mich anrufen, entschuldigen sich im ersten Satz dafür, dass sie keine Ahnung haben, was sie eigentlich wollen, und dann sage ich ihnen, dass genau das der Normalfall ist. Was Sie möchten, finden wir im Gespräch gemeinsam heraus, und vorbereiten müssen Sie dafür nichts.

Auf dieser Seite geht es darum, wie aus einem Gespräch eine Trauerrede wird, was darin vorkommt und wie viel Freiheit eine Trauerfeier tatsächlich hat.

Was eine Trauerrede zu einem Unikat macht


Es gibt Trauerreden, bei denen die Trauergemeinde nach zehn Minuten nicht mehr weiß, von wem gerade die Rede ist. Ein Name, ein Geburtsdatum, ein paar Sätze über Fleiß und Familiensinn, und darunter liegt eine Vorlage, in die vorige Woche ein anderer Name eingesetzt wurde. Wer zuhört, merkt das, auch wenn es niemand ausspricht.

Eine Trauerrede, die trägt,
entsteht aus einem einzigen langen Gespräch, in dem Sie erzählen und ich zuhöre und nachfrage. Ich frage nach dem Nebenher, nach dem Satz, den Ihr Mensch immer gesagt hat, wenn etwas schiefging, nach der Handbewegung, nach dem, worüber Sie in der Familie heute noch lachen, obwohl es eigentlich gar nicht komisch ist. Aus solchen Kleinigkeiten wird ein Mensch wiedererkennbar.

Was daraus entsteht, gibt es nur einmal und würde zu keinem anderen Menschen passen. Nach der
Trauerfeier bekommen Sie den vollständigen Text und behalten ihn.


Warum die Trauerrede kein Lebenslauf wird


Im Trauergespräch frage ich chronologisch: Kindheit, Schule, Ausbildung, die erste eigene Wohnung, die Kinder, der Ruhestand. Das hat einen praktischen Grund. Entlang einer Zeitlinie fällt Ihnen mehr ein, und Sie müssen sich nicht überlegen, wo Sie anfangen sollen.

Die Trauerrede folgt dieser Linie dann nicht mehr. Niemand sitzt in der Kapelle und wartet auf das Datum des Umzugs nach Speyer. Gesucht wird die eine Haltung, die sich durch alles zieht, das Muster, das erst sichtbar wird, wenn alles nebeneinanderliegt. Manchmal ist es eine Eigenschaft, manchmal ein Satz, den alle kennen, manchmal ein Lied, das über Jahrzehnte immer wieder lief.

Der Tod ist der Anlass für die Trauerfeier. Erzählt wird das Leben.


Wenn das Leben nicht glatt war


Nicht jede Familie ist sich einig, wenn sie zusammenkommt. Manchmal war da Alkohol, manchmal jahrelanges Schweigen zwischen Vater und Tochter, manchmal eine Krankheit, die einen anderen Menschen aus ihm gemacht hat, lange bevor er gestorben ist. Und dann sitzen Sie da und sollen einen Abschied gestalten für jemanden, den Sie geliebt und mit dem Sie sich gleichzeitig jahrelang gerieben haben.

Solche Trauerreden gehören zu den wichtigsten, die ich schreibe, weil dort etwas ausgesprochen wird, was sonst alle mit sich herumtragen und niemand sagt. Beschönigt wird bei mir nichts. Eine Trauerfeier ist kein Gerichtsprozess und auch keine Freisprechung, und es gibt einen Weg, das Schwere zu benennen, ohne jemanden zu verletzen, der in der ersten Reihe sitzt.

Manches lasse ich bewusst weg. Es ist wahr, es hilft an diesem Tag nur niemandem, und
was das im Einzelnen ist, habe ich aufgeschrieben.


Wie frei eine Trauerfeier wirklich ist


Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel möglich ist. Es gibt keine Vorschrift über die Länge, keine über die Reihenfolge, keine darüber, wer sprechen und wer schweigen soll. Wenn die Enkelin ein Gedicht vorlesen möchte, liest sie es vor, und wenn außer mir niemand sprechen will, ist das genauso richtig.

Rituale tragen dabei mehr, als sich vorher denken lässt. Etwas ins Grab legen, eine Kerze anzünden, einen Brief schreiben, der mitgegeben wird. Das sind die Momente, an die Angehörige sich noch Jahre später erinnern, wenn vom Wortlaut der Trauerrede längst nichts mehr da ist.

Was konkret geht, welcher Ort, welche Musik, welche Sprache, steht auf der Seite über die
Trauerfeier.


Wenn kein Pfarrer sprechen soll


Viele Menschen treten irgendwann aus der Kirche aus und merken erst am Grab, dass ihnen trotzdem etwas fehlt. Ein Vaterunser. Ein Segen am Schluss. Das Gefühl, dass dieser Abschied größer ist als die Handvoll Menschen, die da stehen.

Das eine schließt das andere nicht aus. Eine
freie Trauerrede kann christlich geprägt sein, mit Gebet und biblischen Worten, ohne dass vorne jemand steht, der die Familie nie getroffen hat. Und sie kann vollständig weltlich sein, wenn das die Wahrheit über diesen Menschen ist. Bekehren möchte ich niemanden, in keine der beiden Richtungen.


Wenn Ihnen Zuhören leichter fällt


Lesen ist in den ersten Tagen manchmal zu viel. Dafür gibt es meine Videos und eine Podcastfolge über diese Arbeit. Sie können beides nebenbei laufen lassen, beim Autofahren, beim Abwasch, spät abends, wenn im Haus sonst niemand mehr wach ist. Manchen fällt es leichter, einer Stimme zuzuhören, als sich durch einen Text zu arbeiten.


Wenn Sie jetzt jemanden brauchen


Sie müssen nicht wissen, was Sie wollen, bevor Sie anrufen. Sie müssen mir nur erzählen, wer gestorben ist. Was daraus wird, ergibt sich im Gespräch, und wenn Sie dabei weinen, dann weinen Sie. Das gehört dazu und hat noch nie jemanden gestört.

Zu erreichen bin ich in der Metropolregion Rhein-Neckar und darüber hinaus, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen, auf Anfrage auch deutschlandweit. Wie eine Anfrage abläuft und was danach geschieht, steht auf
Nächste Schritte.

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